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USA & International

Trump ordnet Cannabis-Umstufung an – aber die DEA bremst

Satirische Illustration: Trump unterzeichnet Cannabis-Order, während die DEA im Hintergrund auf der Bremse steht
Trump vs. DEA: Die Executive Order ist da, aber die Umsetzung bleibt unklar – und die eigene Partei rebelliert.

Für die 32-Milliarden-Dollar-Cannabis-Industrie in den USA sollte es der historische Durchbruch werden. Am 18. Dezember 2025 unterzeichnete Präsident Donald Trump eine Executive Order zur Umstufung von Cannabis von Schedule I (höchst gefährlich) auf Schedule III (moderate Gefahr). Doch drei Wochen später ist unklar, wann die Änderung tatsächlich kommt. Die DEA erklärt, der Berufungsprozess "bleibe anhängig", 48 republikanische Kongressabgeordnete rebellieren gegen Trump, und Ex-Justizminister Bill Barr bereitet Klagen vor. Was nach einem Coup aussah, wird zum Cannabis-Chaos.

Die wichtigsten Punkte

  • Historische Executive Order: Trump ordnete am 18. Dezember 2025 an, dass Cannabis "auf schnellstem Wege" von Schedule I auf Schedule III umgestuft werden soll – erstmals seit 55 Jahren eine solche Änderung. White House
  • DEA bremst: Die Drug Enforcement Administration (DEA) erklärte am 5. Januar 2026, dass der Berufungsprozess "weiterhin anhängig" bleibt – trotz Trumps Anweisung. Ein konkreter Zeitplan fehlt. Marijuana Moment
  • Republikaner rebellieren: 48 republikanische Abgeordnete, darunter House Speaker Mike Johnson und Senator John Barasso, unterzeichneten Briefe gegen die Umstufung. Sie sehen Cannabis als Gefahr. MJBizDaily
  • 280E-Steuerersparnis unklar: Die Cannabis-Industrie hofft auf das Ende der 280E-Steuer, die Milliarden kostet. Doch wann genau diese Entlastung kommt, ist offen – und könnte Jahre dauern. MJBizDaily
  • Bill Barr klagt: Eine führende Prohibitions-Gruppe hat Trumps Ex-Justizminister Bill Barr engagiert, um die Umstufung gerichtlich zu stoppen. Marijuana Moment

Was ist passiert?

Am 18. Dezember 2025 trat Trump vor die Presse und verkündete: "Wir haben Menschen, die mich gebeten haben, das zu tun. Ich wurde zu keinem Thema so sehr bestürmt wie zu diesem." Die Executive Order trägt den Titel "Increasing Medical Marijuana and Cannabidiol Research" und weist Justizministerin Pam Bondi an, den Rescheduling-Prozess "auf schnellstem Wege" abzuschließen.

Illustration: Cannabis-Industrie wartet ungeduldig, während der bürokratische Prozess im Schneckentempo läuft
Die Cannabis-Industrie hofft auf Milliarden-Steuerersparnisse – doch der Prozess zieht sich.

Der Prozess lief bereits seit Jahren. Bereits 2023 hatte das Department of Health and Human Services (HHS) der DEA empfohlen, Cannabis umzustufen. Im Mai 2024 schlug das Justizministerium unter Biden eine entsprechende Regel vor. Doch dann stockte alles. Anhörungen vor einem DEA-Richter wurden im Dezember 2024 abgesagt – wegen Vorwürfen der "Voreingenommenheit" gegen die DEA.

Trump wollte den Knoten durchschlagen. Seine Order verweist auf Section 811 des Controlled Substances Act – ein Notfallverfahren, das dem Justizminister erlaubt, Substanzen ohne den üblichen bürokratischen Prozess umzustufen. Doch selbst das garantiert keine schnelle Lösung.

Was bedeutet Schedule III?

Schedule I-Drogen (Heroin, LSD, Cannabis) gelten als höchst gefährlich ohne medizinischen Nutzen. Schedule III (Ketamin, Testosteron, Tylenol mit Codein) erkennt medizinische Anwendungen an und stuft das Missbrauchspotenzial als moderat ein. Cannabis würde NICHT legalisiert – aber die medizinische Nutzung offiziell anerkannt. The Hill

Warum das wichtig ist

Für die Cannabis-Industrie steht vor allem eines auf dem Spiel: die 280E-Steuer. Diese IRS-Regelung verbietet Cannabis-Unternehmen, normale Betriebsausgaben steuerlich abzusetzen – weil sie mit einer Schedule-I-Droge handeln. Die Folge: effektive Steuersätze von 70-90%. Allein durch die Umstufung auf Schedule III würden US-Cannabis-Unternehmen jährlich geschätzt 2,3 Milliarden Dollar sparen.

Doch es gibt einen Haken: Selbst wenn die Umstufung kommt, ist unklar, ob die 280E-Entlastung sofort greift. Viele große Cannabis-Konzerne haben bereits Jahre alte Steuererklärungen eingereicht, in denen sie Immunität von 280E beanspruchen – doch das IRS hat diese bislang nicht anerkannt. Die Industrie geht davon aus, dass die Entlastung erst nach einer finalen DEA-Regel kommt – und das kann Monate oder Jahre dauern.

Hinzu kommt: Die Umstufung ändert NICHTS an der Bundesillegalität von Cannabis. Der Verkauf, Transport und Besitz bleiben auf Bundesebene strafbar. Banken werden weiterhin zögern, Cannabis-Konten zu führen – dafür bräuchte es das SAFER Banking Act, das im Kongress seit Jahren blockiert wird.

Die Forschung profitiert – theoretisch

Wissenschaftler begrüßten Trumps Order, da sie die Forschung erleichtern soll. Bislang benötigen Cannabis-Forscher eine Schedule-I-Lizenz mit strengen Auflagen. Als Schedule-III-Substanz wäre Cannabis leichter zugänglich. Doch ein Problem bleibt: US-Universitäten dürfen keine Cannabis-Produkte aus staatlich lizenzierten Dispensaries nutzen – nur von der DEA genehmigte Quellen. Das schränkt die Forschung weiter ein. NPR

Die Republikaner-Rebellion

Trumps eigene Partei steht nicht hinter ihm. Insgesamt 48 republikanische Kongressabgeordnete unterzeichneten Briefe, in denen sie Trump baten, Cannabis NICHT umzustufen. Darunter sind Schwergewichte wie:

  • House Speaker Mike Johnson (Louisiana) – einer der mächtigsten Republikaner im Kongress
  • Senator John Barasso (Wyoming) – Mehrheitswhip im Senat
  • Rep. Andy Harris (Maryland) – Vorsitzender des ultrarechten Freedom Caucus und Autor des Hemp-THC-Verbots
  • Senator Cynthia Lummis (Wyoming) – unterstützte zuvor Cannabis-Banking, lehnt aber Rescheduling ab

Ihr Argument: Cannabis sei eine gefährliche Droge ohne medizinischen Nutzen. Die Umstufung würde den "War on Drugs" untergraben. Lummis' Position ist besonders pikant: Sie unterstützte den SAFER Banking Act, der Cannabis-Unternehmen Bankzugang verschaffen soll – lehnt aber die Umstufung ab, die Banking erst ermöglichen würde.

Trump ignorierte die Briefe und verwies auf Umfragen: Die überwältigende Mehrheit der Amerikaner unterstütze die Umstufung. "Ich habe Freunde, die schwer leiden", sagte Trump bei der Unterzeichnung – ein persönlicher Ton, den er bei Cannabis-Themen selten anschlägt.

Bill Barr verklagt Trump

Die nächste Eskalationsstufe: Eine führende Cannabis-Gegner-Gruppe hat Bill Barr engagiert – Trumps eigenen Ex-Justizminister. Barr soll klagen, falls die DEA die Umstufung finalisiert. Die Gruppe plant, sowohl gerichtlich als auch administrativ gegen die Regel vorzugehen.

Rechtlich ist das heikel: Trump kann per Executive Order die Priorität setzen, aber der formale Rescheduling-Prozess liegt bei der DEA. Dort läuft seit Dezember 2024 ein Berufungsverfahren wegen angeblicher "Voreingenommenheit". Am 5. Januar 2026 erklärte die DEA: Der Prozess "bleibt anhängig" – trotz Trumps Order. Das bedeutet: Selbst mit präsidialer Anweisung kann die DEA den Prozess verzögern.

Wie geht es weiter?

Der Zeitplan bleibt unklar. Die DEA könnte den Biden-Prozess fortsetzen – oder ihn komplett neu starten. Trump verwies in seiner Order auf Section 811, was eine Abkürzung ermöglichen würde. Doch selbst das schnellste Verfahren dürfte Monate dauern.

Parallel arbeitet das Weiße Haus mit dem Kongress an einer Neudefinition von "Hemp-derived cannabinoid products" – um hochpotente CBD-Produkte zu regulieren, aber den legalen Hanfmarkt nicht zu zerstören. Das ist eine direkte Reaktion auf das Hemp-THC-Verbot, das Trump im November 2025 unterzeichnete.

Für die Cannabis-Industrie heißt das: Abwarten. Die großen Konzerne bereiten sich darauf vor, weiterhin unter 280E zu arbeiten. Die erhoffte Steuerersparnis wird kommen – aber wann, weiß niemand.

Und die politische Bombe tickt weiter: Wenn Trump die Umstufung durchsetzt, riskiert er einen offenen Bruch mit dem rechten Flügel seiner Partei – genau vor den Midterm-Wahlen im November 2026. Cannabis könnte zum Spaltpilz der Republikaner werden.