MedCanG-Schock: Bis zu 80 Euro mehr im Monat
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Niemand spricht über den Preis. Wir schon: Das MedCanG kostet Cannabis-Patienten jeden Monat bis zu 80 Euro extra.
Die Regierung hat es leise gemacht. Kein großes Pressestatement, kein Aufschrei im Bundestag. Der Gesetzentwurf zur MedCanG-Reform ist durch, der Bundesrat hat zugestimmt – und Frühjahr 2026 tritt es in Kraft. Die wichtigste Änderung: Telemedizin-Verschreibungen für medizinisches Cannabis sind verboten. Versandhandel auch. Wer Cannabis als Medikament braucht, muss künftig persönlich zum Arzt. Und persönlich zur Apotheke.
Klingt erstmal vernünftig. Bis man die Rechnung aufmacht.
Was vorher möglich war
Das System vor der Reform war für Patienten effizient: Plattformen wie Algea Care, Bloomwell oder Leafly Connect ermöglichten einen Ersttermin per Videocall für 39 bis 79 Euro. Folgetermine oft günstiger oder kostenlos. Das Rezept kam digital, die Apotheke lieferte nach Hause. Wer sein Medikament braucht, hat es bekommen – ohne Fahrt, ohne Wartezimmer, ohne Augenrollen des Hausarztes.
Versandapotheken wie Cannaleo oder DrAnsay konkurrierten untereinander. Das drückte die Preise. Der Wettbewerb funktionierte. Patienten zahlten oft 10 bis 15 Euro weniger pro Gramm als in der lokalen Apotheke um die Ecke.
Was jetzt kommt
Ab Frühjahr 2026 gilt: Der erste Arzttermin muss in Person stattfinden. Einmal jährlich muss nachgewiesen werden, dass der Arzt den Patienten persönlich gesehen hat. Und das Medikament muss in der Apotheke abgeholt werden – Versandhandel für Cannabis-Blüten ist verboten.
Das klingt nach wenig. Ist es nicht.
Die Rechnung
Privat abrechnende Cannabis-Spezialisten verlangen für einen Ersttermin zwischen 80 und 150 Euro. Nicht jeder Hausarzt verschreibt Cannabis – viele weigern sich, andere haben keine Erfahrung. Also Spezialist, also privat, also teuer. Einmal pro Jahr: macht 10 bis 13 Euro pro Monat, wenn man es umrechnet.
Dazu: Die Versandapotheken fallen weg. Lokale Apotheken haben weniger Auswahl, weniger Wettbewerb, höhere Preise. Schätzungsweise 20 bis 50 Euro mehr pro Monat, je nach Sorte und Dosierung.
Plus: Fahrt zur Apotheke, jeden Monat. ÖPNV oder Auto, je nach Wohnort 5 bis 20 Euro. Und die verlorene Zeit – Wartezimmer, Anfahrt, Rückweg – bei einem Arzttermin im Schnitt anderthalb Stunden.
Macht zusammen: 40 bis 80 Euro Mehrkosten pro Monat. Für Menschen, die Cannabis nicht freiwillig nehmen, sondern weil nichts anderes hilft.
Warum das falsch ist
Die offizielle Begründung: Telemedizin ermögliche zu leichte Verschreibungen, führe zu Missbrauch. Das klingt hart bis es am Ziel vorbeigeht. Die strikte Regulierung trifft nicht die, die das System ausnutzen – die finden andere Wege. Sie trifft chronisch Kranke, die keine Zeit für Wartezimmer haben. Sie trifft Menschen auf dem Land, wo der nächste Cannabis-Spezialist 40 Kilometer entfernt ist. Sie trifft Patienten mit Angststörungen, für die ein überfülltes Wartezimmer genau das ist, wogegen sie das Medikament nehmen.
Die Reform bestraft genau die, die sie schützen will.
Fazit: Das MedCanG baut Hürden, keine Sicherheit. Wer das Geld hat, überwindet sie. Wer es nicht hat – der kauft woanders.