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Recht & Führerschein

Führerschein nach Cannabis: Jetzt ohne MPU zurück?

Führerschein nach Cannabis: Jetzt ohne MPU zurück?
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Zehntausende Deutsche haben in den Jahren vor der Legalisierung ihren Führerschein verloren – wegen Cannabis. Ein positiver THC-Drogentest, eine MPU mit schlechtem Ergebnis, eine Entziehung durch die Behörde. Viele haben seitdem keine Fahrerlaubnis mehr.

Seit dem KCanG hat sich die Rechtslage geändert. Und viele wissen es nicht.

Was §13a FeV bedeutet

Mit der Fahrerlaubnis-Verordnung wurde 2024 ein neuer §13a eingeführt, der speziell auf die veränderte Rechtslage durch das KCanG eingeht. Das Wichtigste: Wer seinen Führerschein aufgrund früherer Cannabis-Nachweise verloren hat, kann unter bestimmten Umständen die Neuerteilung beantragen – ohne automatische MPU-Pflicht.

Das klingt wie eine Kleinigkeit. Ist es nicht. Die MPU kostet zwischen 600 und 1.500 Euro, dauert mehrere Monate und scheitert statistisch bei jedem dritten Versuch. Für viele Betroffene war sie de facto das Ende der Fahrerlaubnis.

Der THC-Grenzwert: 3,5 ng/ml

Parallel dazu hat der Gesetzgeber den legalen THC-Grenzwert im Straßenverkehr auf 3,5 ng/ml Serum festgesetzt. Das ist der Wert, ab dem eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Darunter gilt Cannabis-Konsum nicht als beeinträchtigungsrelevant.

Das hat unmittelbare Auswirkungen auf ältere Fälle: Wer damals bei einem niedrigen THC-Wert erwischt wurde, der heute unter dem Grenzwert läge, hat möglicherweise eine Grundlage für eine Überprüfung der Entziehung.

Was die Behörden nicht kommunizieren

Das Problem ist: Die Führerscheinstellen informieren niemanden aktiv. Es gibt keine Schreiben an frühere Betroffene, keine Kampagnen, keine einfache Hotline. Wer wissen will, ob er in Frage kommt, muss selbst initiativ werden – und am besten einen Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten.

Die Voraussetzungen variieren erheblich je nach Bundesland. In einigen Ländern sind die Behörden kooperativer als in anderen. Bayern und Baden-Württemberg gelten erfahrungsgemäß als restriktiver als Berlin oder Hamburg.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du vor 2024 wegen Cannabis den Führerschein verloren hast:

Erstens: Unterlagen beschaffen. Das Entziehungsschreiben, die damaligen Gutachten, alle Aktenauszüge.

Zweitens: Prüfen, ob der damalige THC-Wert unter 3,5 ng/ml lag. Falls ja: starkes Argument.

Drittens: Fachanwalt für Verkehrsrecht oder Verkehrsstrafrecht konsultieren. Viele bieten erste Kurzberatungen kostenlos an.

Viertens: Neuerteilungsantrag stellen. Je nach Fall läuft das über die lokale Fahrerlaubnisbehörde, in manchen Fällen direkt über das Verwaltungsgericht.

Kein Freifahrtschein

Klar ist auch: §13a FeV ist keine automatische Amnestie. Wer damals nachweislich unter Einfluss gefahren ist, wer andere gefährdet hat, wer psychische Auffälligkeiten in Gutachten hatte – der hat keine einfache Rückkehr. Aber für die vielen, die schlicht wegen eines positiven Tests ohne Fahrfehler erwischt wurden: die Rechtslage hat sich geändert.

Quellen