Zurück zur News-Übersicht
Marktdaten

56,9 Tonnen in drei Monaten: Deutschland wird zum Cannabis-Giganten

Grafik: Deutscher Cannabis-Import Q3 2025 - 56,9 Tonnen Rekordmenge mit Lieferländern Kanada und Portugal
Deutschland importiert Rekordmengen: Q3 2025 markiert historisches Hoch.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat heute die Importzahlen für das dritte Quartal 2025 veröffentlicht. Das Ergebnis: Deutschland hat in nur drei Monaten 56,9 Tonnen medizinisches Cannabis importiert – ein Wachstum von 176 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit entwickelt sich Deutschland zum größten Absatzmarkt für medizinisches Cannabis außerhalb Nordamerikas. StratCann | Business of Cannabis

Die Kernpunkte im Überblick

  • Rekordquartal: 56,9 Tonnen Cannabis wurden zwischen Juli und September 2025 nach Deutschland importiert (+19% gegenüber Q2).
  • Verdopplung in neun Monaten: Kumuliert wurden in den ersten drei Quartalen 142 Tonnen importiert – doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2024 (72 Tonnen).
  • Kanada dominiert: 30,1 Tonnen kamen aus Kanada (+49% QoQ), 16,6 Tonnen aus Portugal (+23% QoQ). Zusammen liefern beide Länder 80% aller Importe.
  • Neue Player steigen auf: Nordmazedonien (+56%), Malta (+250%), Kolumbien (von 0,1 auf 1,2t) und afrikanische Länder gewinnen Marktanteile. The Talman Group

Die Zahlen im Detail

Im Zeitraum von Juli bis September 2025 kamen 56.915 Kilogramm getrocknete Cannabisblüten und äquivalente Produkte nach Deutschland. Das sind 19 Prozent mehr als im zweiten Quartal, das bereits mit 47,7 Tonnen einen Rekord markiert hatte.

Die kumulierte Menge der ersten neun Monate 2025 liegt bei 142 Tonnen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 wurden 72 Tonnen importiert. Deutschland hat das Vorjahresniveau also bereits nach drei Quartalen verdoppelt.

Wichtige Korrektur der Q2-Daten Das BfArM hatte ursprünglich für das zweite Quartal 43,3 Tonnen gemeldet. Diese Zahl wurde nachträglich auf 47,7 Tonnen nach oben korrigiert. Solche Nachmeldungen deuten darauf hin, dass die tatsächliche Marktdynamik die administrative Erfassung zeitweise überholt.

Die Lieferkette: Kanada und Portugal dominieren

Die geografische Verteilung zeigt eine klare Dominanz zweier Länder: Kanada und Portugal liefern zusammen rund 80 Prozent aller Importe.

Kanada bleibt unangefochtener Marktführer

Im dritten Quartal kamen 30,1 Tonnen aus Kanada – ein Anstieg um 49 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In den ersten neun Monaten des Jahres summiert sich die kanadische Lieferung auf 66,2 Tonnen. Die kanadischen Licensed Producers nutzen den deutschen Markt als wichtigen Absatzkanal für ihre Produktionskapazitäten. StratCann

Portugal als europäischer Hub

Portugal lieferte im dritten Quartal 16,6 Tonnen, was einem Wachstum von 23 Prozent entspricht. Das Land spielt eine Doppelrolle: Es ist sowohl Produktionsstandort als auch logistischer Intermediär. Große Mengen kanadischer Ware werden über Portugal in die EU eingeführt und dort für den Binnenmarkt aufbereitet.

Neue Akteure drängen auf den Markt

Abseits der beiden Marktführer zeigt sich eine zunehmende Diversifizierung. Mehrere Länder konnten ihre Exportvolumina im dritten Quartal erheblich steigern:

  • Nordmazedonien: Plus 56 Prozent auf 2,7 Tonnen
  • Spanien: Verdopplung auf 2,0 Tonnen
  • Malta: Anstieg um 250 Prozent auf 1,9 Tonnen
  • Kolumbien: Sprung von 0,1 auf 1,2 Tonnen
  • Südafrika: Plus 54 Prozent
  • Lesotho: Plus 34 Prozent

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Investitionen in EU-GMP-konforme Anlagen in Südeuropa und kostengünstige Produktionsstandorte in Lateinamerika und Afrika nun Früchte tragen. Business of Cannabis

Die Niederländer verlieren Boden

Im Kontrast zu den Aufsteigern verlieren die traditionellen europäischen Lieferanten an Bedeutung. Die Niederlande konnten nur noch 0,46 Tonnen liefern – ein Rückgang um 6 Prozent. Das niederländische Modell, das lange Zeit als Qualitätsstandard galt, kann mit den globalen Preisen und der Sortenvielfalt neuer Anbieter offenbar nicht mehr mithalten.

Auch die Tschechische Republik (minus 37 Prozent) und Argentinien (minus 45 Prozent) mussten deutliche Einbußen hinnehmen.

Prognose für 2025

Analysten gehen davon aus, dass Deutschland bis Ende des Jahres die 200-Tonnen-Marke überschreiten wird. Das würde bedeuten, dass die ursprünglich dem Internationalen Suchtstoffkontrollrat (INCB) gemeldete Importquote von 192 Tonnen übertroffen wird. Eine administrative Anpassung dieser Quote dürfte notwendig werden. The Talman Group

Was bedeuten diese Zahlen? Die Importdaten zeigen zweierlei: Erstens gibt es eine robuste und wachsende Nachfrage nach medizinischem Cannabis in Deutschland. Zweitens verschiebt sich die globale Lieferkette. Während Kanada seine dominante Position ausbaut, etablieren sich neue Produktionsstandorte in Südeuropa, Lateinamerika und Afrika. Die traditionellen europäischen Anbieter aus den Niederlanden verlieren dagegen Marktanteile.

Diskussion zum Artikel