VPD: Die Wissenschaft hinter Temp & Luftfeuchtigkeit.
VPD ist kein Hype. Es ist Physik. VPD beeinflusst Transpiration, ist aber nur einer von mehreren Faktoren neben Licht, Wurzeln, Nährstoffen und Schädlingen.
VPD (Vapour Pressure Deficit) misst den Unterschied zwischen dem aktuellen Dampfdruck der Luft und dem Sättigungsdampfdruck bei gleicher Temperatur. Einfach gesagt: Wie "durstig" ist die Luft? Eine durstige Luft zieht Feuchtigkeit aus den Blättern – genau das wollen wir kontrollieren.
- Formel vereinfacht: VPD = SVP (Sättigungsdampfdruck bei Blatttemperatur) − AVP (tatsächlicher Dampfdruck). Einheit: kPa.
- Warum wichtig: VPD kontrolliert die Transpiration. Zu hoch = Pflanze schließt Stomata, Photosynthese und Transpiration können unter Stress deutlich beeinträchtigt werden. Zu niedrig = Schimmel-Risiko steigt.
- Messen: Temp + Luftfeuchtigkeit mit einem guten Hygrometer. Dann VPD-Tabelle nutzen oder App berechnen lassen.
VPD Zielwerte: Die goldenen Zahlen für Wachstum und Blüte.
Cannabis in der Wachstumsphase braucht ein anderes VPD als in der Blüte. Wer das ignoriert, lässt Ertrag auf dem Tisch.
| Phase | Temp (°C) | Luftf. (%) | VPD (kPa) | Status |
|---|---|---|---|---|
| Clones/Seedling | 23-26 | 70-80% | 0.4-0.8 | Optimal |
| Veg (früh) | 22-26 | 65-75% | 0.8-1.0 | Optimal |
| Veg (spät) | 22-26 | 55-65% | 1.0-1.2 | Optimal |
| Blüte (früh) | 22-26 | 50-60% | 1.0-1.3 | Optimal |
| Blüte (spät) | 20-24 | 40-50% | 1.3-1.6 | Anspruchsvoll |
| Ripening | 18-22 | 35-45% | 1.4-1.8 | Nur für geübte |
VPD zu hoch: Die Pflanze schließt ab.
Zu hohes VPD (über 1.6 kPa in der Blüte) bedeutet: Stomata schließen. Keine CO2-Aufnahme. Kein Wachstum. Deine Pflanze kämpft ums Überleben statt ums Wachsen.
Symptome von zu hohem VPD: Blätter rollen sich nach innen, die Pflanze wirkt welk obwohl das Substrat feucht ist, langsames Wachstum trotz optimaler Nährstoffversorgung.
- Temperatur senken: Jeder Grad weniger reduziert VPD. Ziel-Temp in Blüte: 22-24°C am Tag. AC oder mehr Lüftung einsetzen.
- Luftfeuchtigkeit erhöhen: Vernebeler/Ultraschall-Befeuchter einsetzen. In der Blüte max 55% um Schimmel zu vermeiden.
- Luftzirkulation: Gleichmäßige Verteilung von Temp/RH im Zelt verhindert Hot Spots. Clips-Fächer strategisch positionieren.
VPD zu niedrig: Schimmel wartet auf dich.
Zu niedriges VPD unter 0.4-0.6 kPa bedeutet: Luft ist fast gesättigt. Das kann Transpiration und Krankheitsrisiken beeinflussen; konkrete Folgen hängen von Klima, Luftbewegung und Pflanzenbestand ab.
Symptome von zu niedrigem VPD: Wasserfilme auf Blättern, langsame Transpiration, Wurzeln "wollen" nicht saugen da keine Energie-Differential vorhanden. Schimmelsporen aktivieren sich.
- Lüftung maximieren: Mehr Luft-Austausch. Abluft auf volle Leistung. Externes Hygrometer prüfen ob Außenluft trockener ist.
- Temperatur erhöhen: Wärmere Luft hält mehr Feuchtigkeit – VPD steigt. LED-Dimmer reduzieren um Raumtemperatur zu senken.
- Entfeuchter: Bei chronisch hoher Luftfeuchtigkeit ist ein Entfeuchter die Lösung – besonders im Sommer in feuchten Räumen.
VPD optimieren: Das Ergebnis in Zahlen.
Ein stabiles Klima kann Wachstum und Krankheitsprävention unterstützen; ein pauschaler Ertragszuwachs von 15–25% ist ohne konkretes Setup nicht belastbar.
VPD-Optimierung ist keine einmalige Einstellung – es ist ein kontinuierlicher Prozess. Temperatur und Luftfeuchtigkeit verändern sich im Laufe eines Grows. Auf Phasenwechsel reagieren.
- Monitoring: Smart Hygrometer mit Datenverlauf (Inkbird, Govee) – gibt dir Verlaufsdaten statt Momentaufnahmen.
- Automation: Inkbird Temperaturregler + Inkbird Feuchtigkeitsregler schalten AC/Befeuchter automatisch. Automatisierung muss überwacht werden und ist kein „Set-and-forget“-Garant.
- Ergebnis: Mögliche Vorteile sind gleichmäßigere Transpiration und bessere Beobachtbarkeit; konkrete Ertragsgewinne sind nicht garantiert. VPD-Kontrolle kann je nach Setup die Beobachtbarkeit und Konstanz verbessern; ein wirtschaftlicher oder ertraglicher Vorteil ist nicht garantiert.