Streeck warnt vor Netto-Cannabis: "Zwischen Tiefkühlpizza"
Zu kompliziert? 💡 Hier geht es zur Kurzfassung
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung kritisiert den Netto-Cannabis-Hype – und hat dabei einen Punkt, den er aber auch nicht ganz zu Ende denkt.
Seit Netto in mehr als 255 Filialen Cannabis-Samen der Marke Gutmut Saatgut für 14,99 € verkauft, ist die Republik in Aufruhr. Jetzt hat sich auch Hendrik Streeck (CDU), Drogenbeauftragter der Bundesregierung, zu Wort gemeldet – und seine Formulierung ist wenig überraschend viral gegangen: Cannabis-Samen "zwischen Tiefkühlpizza und Toilettenpapier" sendeten das falsche Signal, besonders an Kinder und Jugendliche.
Streeck warnt: Der Supermarkt-Verkauf erwecke den Eindruck, das Anbauen von Cannabis zu Hause sei vollkommen normal. Und da niemand am Kassenbon prüft, ob jemand auch wirklich nur drei Pflanzen anbaut, entstehe eine Kontrollücke im KCanG. Das ist nicht falsch.
Aber hier hört Streecks Analyse auf, wo sie eigentlich anfangen müsste. Das KCanG erlaubt Erwachsenen ausdrücklich, bis zu drei Cannabis-Pflanzen zu Hause anzubauen. Samen zu verkaufen ist legal – der Anbau über drei Pflanzen ist es nicht. Diese Grenze war von Anfang an Bestandteil des Gesetzes. Dass Streeck jetzt überrascht tut, als hätte das niemand vorhergesehen, ist entweder Naivität oder politisches Kalkül.
Was er nicht sagt: Jugendschutz ist tatsächlich ein valides Argument. Kein Diskounter sollte Kindern Cannabis-Samen verkaufen dürfen – hier braucht es klare Alterskontrolle. Genau das hat Netto aber eingebaut: Die Gutmut-Sorten sind offiziell nur für Volljährige. Ob das am Kassenband in der Praxis funktioniert, ist eine andere Frage – aber das ist kein Cannabis-Problem, das ist ein Kontroll-Problem wie bei Alkohol und Tabak auch.
Was wirklich dahintersteckt: Die Merz-Regierung mit Drogenbeauftragtem Streeck hätte jederzeit die Möglichkeit, Klarstellungen im KCanG vorzunehmen oder Verkaufsauflagen zu verschärfen. Stattdessen gibt es mediale Empörung, aber keinen Gesetzentwurf. Das ist Symbolpolitik.
Die Community hat Netto-Artikel derweil in vielen Filialen schon leer gekauft – die Aktion läuft noch bis 14. März.
Streeck hat einen Punkt mit dem Jugendschutz – aber die Lösung heißt Regulierung, nicht Rückschritt.