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Deutschland & Politik

KCanG-Jahresbericht kommt April: Was jetzt auf dem Spiel steht

KCanG-Jahresbericht kommt April: Was jetzt auf dem Spiel steht
Karikatur: Bundestag-Gebäude mit Cannabis-Blatt-Uhr, die auf April zeigt, Politiker-Figuren um Tisch, besorgter Eichhörnchen-Mascot

In wenigen Wochen erscheint der erste offizielle KCanG-Bericht – und der Mann, der ihn mit prägen wird, nennt Netto-Samen "zwischen Tiefkühlpizza".

April 2026. Zwei Jahre nach Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) steht der erste offizielle Evaluierungsbericht an. Der Bundestag hat diese Überprüfung im Gesetz selbst verankert – eine Bestandsaufnahme, wie das Gesetz in der Realität angekommen ist, was funktioniert und was nachgebessert werden muss.

Der Zeitpunkt ist politisch heikel. Die CDU/CSU-geführte Koalition unter Friedrich Merz hat die Legalisierung nie unterstützt. Mit Hendrik Streeck (CDU) als Drogenbeauftragtem sitzt jetzt einer am Tisch, der öffentlich für Verschärfungen wirbt. Die Frage ist nicht ob Änderungen kommen – sondern welche.

Was der Bericht wahrscheinlich zeigen wird: Der illegale Markt hat sich nicht so schnell zurückgebildet wie erhofft. Social Clubs sind vielerorts noch im Aufbau, die Bürokratiekosten für Anbauvereinigungen sind hoch. Gleichzeitig zeigen erste Studien: Die Polizeiarbeit hat sich spürbar entlastet, Verhaftungen für Besitz sind massiv zurückgegangen. Auf der anderen Seite: Konsumzahlen – insbesondere bei jungen Erwachsenen – sind nach der Legalisierung leicht gestiegen, was politisch als Argument gegen das Gesetz genutzt wird.

Was drohen könnte: Strengere Alterskontrollpflichten im Einzelhandel (direkte Reaktion auf den Netto-Moment), höhere Hürden für neue Anbauvereinigungen und verschärfte Auflagen für Telemedizin-Cannabis. Das MedCanG (medizinisches Cannabis) könnte ebenfalls unter Druck geraten.

Was dagegen spricht: Eine vollständige Rücknahme des KCanG wäre politisch und rechtlich extrem aufwändig. Europäisches Recht, bereits erteilte Lizenzen, laufende Klagen – das lässt sich nicht per Bundestagsabstimmung schnell rückabwickeln. Selbst innerhalb der CDU gibt es Stimmen, die pragmatisch für Weiterentwicklung statt Rückschritt plädieren.

Was du jetzt tun kannst: Der Deutsche Hanfverband (DHV) und andere Verbände haben Möglichkeiten, Rückmeldungen zur Evaluierung einzureichen. Wer Mitglied einer Anbauvereinigung ist, sollte die Dokumentation der bisherigen Erfahrungen aktiv unterstützen – reale Daten aus der Praxis sind das stärkste Argument gegenüber ideologisch motivierten Berichten.

Der erste KCanG-Bericht wird kein Freifahrtschein – aber kein Todesurteil sein. Wie er ausfällt, hängt davon ab, wessen Stimmen gehört werden.

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