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Deutschland & Politik

EKOCAN April: Wenn steigende OK-Zahlen zur Waffe werden

EKOCAN April: Wenn steigende OK-Zahlen zur Waffe werden
Im April kommt EKOCAN 2.0 – Fokus: Organisierte Kriminalität. BesserGrowen erklärt, warum die Zahlen wenig überraschen sollten.

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In vier Wochen kommt der zweite EKOCAN-Bericht. Der Fokus: Organisierte Kriminalität. Und schon jetzt ist klar, wie die Reaktion aussehen wird.

Am 1. April 2026 ist der zweite Zwischenbericht der offiziellen Cannabis-Evaluation (EKOCAN) gesetzlich vorgeschrieben. Schwerpunkt diesmal: Organisierte Kriminalität und Schwarzmarkt. Wer die politische Debatte der letzten Monate verfolgt hat, ahnt, was passieren wird: Sobald die Zahlen veröffentlicht sind, werden sie als Beweis dafür präsentiert, dass Legalisierung gescheitert ist.

Das Problem dabei: Diese Schlussfolgerung wäre falsch. Und BesserGrowen erklärt warum.

Warum OK-Zahlen nach der Legalisierung nicht sinken können – wenn man es falsch macht

Organisierte Kriminalität im Drogenbereich funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Sie verkauft, was der legale Markt nicht liefert. Nicht billig genug, nicht zugänglich genug, nicht schnell genug – die OK füllt die Lücken.

Deutschlands Legalisierung hat Konsum erlaubt. Aber sie hat den legalen Zugang massiv eingeschränkt:

Social Clubs: Von Tausenden Anträgen wurden bundesweit rund 293 Lizenzen erteilt. In Bayern: null. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit: 12 bis 24 Monate. Wer also Mitglied in einem legalen Anbauverein werden will, wartet oft länger als ein Jahr – wenn er überhaupt je eine Chance bekommt.

Medizinalcannabis: Der Weg über die Apotheke ist legal, aber teuer. Und jetzt soll auch noch der Online-Weg verbaut werden. Das MedCanG-Änderungsgesetz will Telemedizin-Erstverschreibungen und Versandhandel abschaffen.

Eigenanbau: Formal erlaubt, aber im Alltag für viele nicht praktikabel. Wohnungsgröße, Mietverhältnis, Zeitmangel – Eigenanbau ist kein flächendeckender Versorgungsweg.

Was bleibt? Für einen erheblichen Teil der Konsumentinnen und Konsumenten bleibt der Schwarzmarkt. Nicht weil sie die Legalisierung nicht wollen – sondern weil der legale Markt sie nicht erreicht.

Die politische Falle

Wenn der EKOCAN-Bericht im April steigende OK-Aktivität dokumentiert, wird die Schlussfolgerung in manchen politischen Kreisen lauten: "Seht ihr – Cannabis-Legalisierung stärkt die Kriminalität. Das Gesetz ist gescheitert."

Dabei ist die Logik genau umgekehrt. Die OK wächst nicht wegen der Legalisierung. Sie wächst, weil die Legalisierung halbherzig umgesetzt wurde. Ein zu restriktives Clubsystem, ein bürokratischer Genehmigungsstau und ein kommendes Telemedizin-Verbot schaffen genau das Umfeld, in dem die OK weiter gedeiht: Nachfrage vorhanden, legales Angebot unzureichend.

Das ist keine Spekulation – das ist die Lehre aus jedem Land, das Drogenpolitik ernsthaft evaluiert hat. Kanada, die Niederlande, Colorado: Schwarzmärkte verschwinden dort, wo legale Alternativen wirklich zugänglich, leistbar und unkompliziert sind. Nicht dort, wo sie auf dem Papier existieren.

Was wäre die richtige Schlussfolgerung?

Wenn EKOCAN 2.0 zeigt, dass OK-Strukturen aktiv sind: Dann ist die Antwort nicht Verschärfung, sondern Ausweitung des legalen Markts. Mehr Social Club-Lizenzen, schnellere Genehmigungen, kein Telemedizin-Verbot. Alles was den legalen Weg erleichtert, macht den illegalen Weg unattraktiver.

Die OK-Zahlen sind kein Argument gegen Cannabis-Legalisierung. Sie sind ein Argument gegen schlechte Cannabis-Politik.

EKOCAN April: Wenn steigende OK-Zahlen zur Waffe werden - Illustration
Im April kommt EKOCAN 2.0 – Fokus: Organisierte Kriminalität. BesserGrowen erklärt, warum die Zahlen wenig überraschen sollten.

Quellen