Rezepte +3.300%: Deutschlands Cannabis-Boom in Zahlen
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Niemand hat damit gerechnet: Deutschlands Cannabis-Markt ist 2025 auf €2 Milliarden gewachsen – und Bloomberg schaut hin.
Die Zahlen sprechen für sich, auch wenn die Politik lieber wegsieht. Seit Deutschland im April 2024 den Besitz und Eigenanbau von Cannabis für Erwachsene legalisiert hat, ist der Medizinalcannabis-Markt regelrecht explodiert. Rezepte für medizinisches Cannabis stiegen zwischen März 2024 und Dezember 2025 um 3.300 Prozent. Der Jahresumsatz verdoppelte sich von rund einer Milliarde Euro (2024) auf schätzungsweise zwei Milliarden Euro (2025). Das berichtete Bloomberg in einer großen Recherche Anfang Februar.
Dahinter stecken echte Mengen: Deutschland importierte 2025 rund 192 Tonnen medizinisches Cannabis – verglichen mit 32 Tonnen im letzten vollen Jahr vor der Reform (2023). Fast die Hälfte davon kommt aus Kanada: 93.000 Kilogramm, also knapp 46 Prozent der Gesamtimporte, kamen 2025 von dort.
Wer kauft das alles – und wie?
Der bevorzugte Weg vieler Patientinnen und Patienten: Online. Telemedizin-Plattformen mit Namen wie Cannadoc24 oder Weed.de haben sich als erstes Glied in einer Lieferkette etabliert, die vom Videoanruf direkt zur Apotheke führt. Formell sind das Patientinnen und Patienten – rechtlich korrekt, praktisch bequem. Der Boom ist nicht zufällig, er ist die direkte Konsequenz davon, dass ein großer Teil der Nachfrage legalisiert wurde, ohne gleichzeitig ein ausreichendes legales Angebot zu schaffen.
Denn hier liegt das Problem: Social Clubs – die eigentlich günstigeres Cannabis direkt für Mitglieder produzieren sollten – stecken im Bürokratie-Stau. Bundesweit wurden von Tausenden Anträgen bisher nur rund 293 Lizenzen vergeben. In Bayern: null. Wer also legal, bezahlbar und ohne Arzttermin an Cannabis kommen will, findet aktuell kaum eine Alternative zur Apotheke mit Online-Rezept.
Jetzt will die Bundesregierung genau das abschaffen
Das geplante MedCanG-Änderungsgesetz würde Telemedizin-Erstverschreibungen und den Versand von Medizinalcannabis-Blüten verbieten. Die zweite und dritte Lesung im Bundestag stehen im Frühjahr 2026 an. Aus dem Markt würde ein beträchtlicher Teil der Versorgung herausgenommen – ohne dass ein gleichwertiger Ersatz existiert.
Das ist das eigentliche Paradox: Deutschlands Cannabis-Reform hat einen milliardenschweren legalen Markt geschaffen. Gleichzeitig wird an den Stellschrauben gedreht, die diesen Markt am Laufen halten – während die alternativen legalen Wege (Social Clubs, Eigenanbau) noch nicht den Versorgungsauftrag übernehmen können.
Für Patientinnen und Patienten in ländlichen Regionen, für die ein persönlicher Arzttermin schwer erreichbar ist, wäre das keine Reform. Das wäre ein Rückschritt.
Die Zahlen von 2025 zeigen: Die Nachfrage ist real, der Markt funktioniert. Die Frage ist nur, ob er künftig legal oder wieder im Graubereich bedient wird.